INFINITUM – Vernissage

Text von Peet S. Phoenix

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Der Moment der Unendlichkeit

Logistikunternehmen Hermes, das erfolgreiche Jugendbuch „Percy Jackson und die Diebe im Olymp“, Neil Gaimans American Gods, TriStars Symbol -der Pegasus-: die antiken Mythen und Götter sind heute präsenter denn je und verdienen sich das Prädikat -unendlich-. Künstlerin Katja Koppe lädt daher auf eine Reise durch antike und moderne Legenden ein und präsentiert sich in Worms mit ihrer Ausstellung „Infinitum“.

Sie selbst sagt dazu: „Die griechische Mythologie hat zwar größtenteils ihre ursprüngliche Bedeutung verloren, aber die Faszination bleibt bestehen, in eben Firmennamen, Literatur und Fernsehen. Es sind Wesen, die Fantasie und Realität vereinen, vorstellbar und doch geheimnisvoll.

Worms, 19.08.2017: Es ist Samstag 19 Uhr und in der Galerie Schauraum der Fabrik in der Zornstraße in Worms tummelt sich ein bunter Mix aus jungen Familien, Kunstliebhabern, Mäzenen, jungen Partygästen und Kulturinteressierten. Die Musik im Veranstaltungsraum ist laut. Der DJ legt Musik von Rock- und Poplegenden auf, Kleinkinder tanzen umher, bunte Discolichter schweben durch den Raum, einige sitzen auf den bequemen Sofas und andere stehen lachend und schwatzend an den Stehtischen. Die Bar ist gut besucht, die Stimmung ausgelassen und der laue Augustabend, ist einer jener, die nie zu enden scheinen und einem das Gefühl der Unendlichkeit vermitteln.

Genau in diesem Umfeld eröffnete die aufstrebende Künstlerin Katja Koppe am Samstag, dem 19.08.2017, ihre Ausstellung mit dem Titel „Infinitum“ (lat. „Unendlichkeit“). Dabei blickt der Betrachter gleich beim Eintreten der Medusa in die Augen. Mit Acrylfarbe und Acrylspray ist sie eindrucksvoll auf eine Leinwand gebannt. Die zischenden Schlangen auf dem Kopf des mystischen Wesens scheinen aus dem Bild zu springen, fesseln einen mit ihren Augen und man ist versteinert für den Bruchteil einer Sekunde. Gleich daneben wird es ruhiger. Der griechische Weingott Dionysus empfängt uns in einem aus oxidierter Eisenfarbe, Textilien, Acrylfarbe und Acrylspray entstandenem Bild. Der leichte Abstraktionsgrad deutet einen alten, beinahe weise anmutenden Mann an, der umrankt wird von scheinbar ewig Früchte tragenden Weinranken. Das Bild erinnert an die dem Menschen auf ewig innewohnende Sehnsucht nach dem Genuss.

In kleineren Formaten begegnen uns dann Pan und der Minotaurus, unterbrochen von den unendlichen Weiten des Elysiums, des Irrgartens und des Unterweltflusses Styx. Über allem thront dabei eine großformatige Leinwand mit dem strahlend weißen Pegasus, dessen ausgebreitete Flügel, einem zu einer Traumreise einzuladen scheinen.

Aber das ist bei Weitem noch nicht alles, was diese vielgestaltige Ausstellung zu bieten hat. So trifft der Betrachter auch die modernen Legenden Michael Jackson und Kurt Cobain, die durch ihre Kunst und ihr tragisches Ableben zu Mythen erhoben wurden. Hier hat die Künstlerin Portraits beider Legenden aus Mosaiken angefertigt. Die vielen Glasmosaike ergeben dabei erst bei genügend Abstand ein klar definiertes Bild. Gerade diese Distanz verdeutlicht die Kluft zwischen dem Betrachter und der Legende. Dieses bewusste Spiel mit der Entfernung führt uns einmal mehr vor Augen, welche unüberbrückbare Ferne zwischen dem Leben als Bruchteil der Unendlichkeit und den in den Köpfen der Menschen überdauernden Mythen und Legenden liegt.

Bereits das zweite Mal zeigt die hauptberufliche Realschullehrerin für Kunst und Deutsch ihre Kunstwerke in der von Michael Mahla geleiteten Galerie, die jungen Künstlern eine Plattform bietet. Mahla selbst hielt die Eröffnungsrede am Samstag und nahm die Gäste mit auf eine informative Reise durch die antiken Mythen, knüpfte Verbindungen zur Signifikanz der Mythologie für die politischen Herrschaftsverhältnisse des alten Roms, verwies auf Parallelen zur Gegenwart und knüpfte schließlich an modernen Mythen und Legenden an.
Und die Künstlerin selbst? Wie kommt sie zu diesem faszinierenden Thema?

Ihre Antwort ist eine Gegenfrage: Warum gibt es Geschichten, Legenden und Menschen, die Generationen überdauern und unendlich scheinen? Die Ausstellung regt also zum Nachdenken an und kann noch bis zum 9. September jeweils samstags und sonntags von 19-21 Uhr in der Zornstraße 11a in Worms besucht werden.

Dabei finden wir dort eben keine Antwort darauf „Was Unendlichkeit ist“, aber wir bekommen ein Stück Unendlichkeit und das Gefühl grenzenlos zu sein für den Augenblick.